02.09.2026

Pilgerreise – Drei Tage unterwegs auf Rügen

Pilgerreise – Drei Tage unterwegs auf Rügen


Wenn ich ganz ehrlich bin, hatte ich vor Beginn meiner Ausbildung keine Ahnung, was Pilgern
eigentlich ist. Es war mir in meinem Alltag nie begegnet und ich kannte auch niemanden, der
schon einmal gepilgert war. Als ich vor Ausbildungsbeginn den Jahresplan der Margot Käßmann
Schule anschaute, las ich dort von Theorie- und Praxisblöcken, Projektwochen, Klassenfahrten
und eben auch vom Pilgern. Damals dachte ich noch, dass das sowieso noch lange hin
sei. Und nun liegen bereits drei ereignisreiche Pilgertage hinter mir!


Vor der Pilgerreise informierte ich mich natürlich über das Thema. Pilgern bedeutet, sich auf
einen besonderen Weg zu machen, um Gott, dem Glauben und auch sich selbst näherzukommen.
Mit diesem Wissen startete ich die Reise motiviert, aber auch angespannt.
Als wir am Start unserer Pilgertour in Mecklenburg-Vorpommern ankamen und nach einer Andacht
aufbrachen, überwog die Vorfreude. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir die erste
Etappe. Während einer Schweigephase nahm ich meine Umgebung sehr bewusst wahr und
fühlte mich überraschend ausgeglichen. Dann begann es zu regnen, zunächst leicht, später wie
aus Eimern. Anfangs fanden wir das ziemlich unangenehm, doch schon bald mussten wir darüber
lachen. Meine Schuhe waren komplett durchnässt und trotzdem wurde dieser Moment zu
einer der lustigsten Erinnerungen der gesamten Reise.


Der zweite Tag war körperlich deutlich anstrengender. 25 km bis nach Stralsund lagen vor uns.
Gleichzeitig ergaben sich viele schöne Gespräche mit Mitschülern, mit denen ich sonst weniger
Kontakt hatte. Als wir schließlich Stralsund erreichten, war ich stolz und freute mich über die
Pilgerstempel, die ich mir in der Kirche abholte, sowie den Blick auf das Meer. Trotz aller
Erschöpfung fühlte ich mich glücklich, auch diesen Abschnitt geschafft zu haben.
Am dritten Tag erreichte ich körperlich meinen Tiefpunkt. Meine Beine schmerzten und zeitweise
hatte ich das Gefühl, keinen Schritt mehr gehen zu können. Dennoch trugen mich meine
Beine weiter. Diese Erfahrung hat mich beeindruckt: obwohl mein Körper erschöpft war, gab
er nicht auf. Als wir schließlich unser Ziel in Rambin erreichten, war ich unglaublich erleichtert
und stolz.


Rückblickend war die Pilgerreise für mich eine besondere Erfahrung. Vor allem die vielen unterschiedlichen
Gefühle bleiben mir in Erinnerung: Vorfreude, Unsicherheit, Ehrgeiz, Erschöpfung,
Freude und Stolz. Ich habe gelernt, dass mein Körper oft mehr leisten kann, als ich ihm
zutraue. Gleichzeitig habe ich die Gemeinschaft als sehr wertvoll erlebt. Die Gespräche, das
gemeinsame Laufen, Singen und Durchhalten haben die Reise geprägt. Vor allem hat mir diese
Erfahrung gezeigt, dass man manchmal einfach losgehen muss, auch wenn man noch nicht genau
weiß, was einen erwartet.
(Julia Schiwa FSPU1)

 

           

Fotos Julia Schiwa